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Kamerun

Die Republik Kamerun ist ein seit 1960 unabhängiger Staat im westlichen Zentralafrika mit heute etwa 28 Millionen Einwohnern auf einer Fläche von der 1,3-fachen Größe Deutschlands. In der Mitte des 19. Jahrhunderts waren es deutsche Handelshäuser und Forschungsreisende, die die ersten deutschen Kontakte in die Region hatten. Daraus ergab sich die Entsendung eines kaiserlichen Kommissars des Deutschen Reiches im Juli 1884, dem es gelang, mit den Führern der ansässigen Ethnie der Duala einen „Schutzvertrag“ für ihr Gebiet zu unterzeichnen. So wurde am 14.7.1884 vor Ort die Reichsflagge gehisst und damit das „Schutzgebiet Kamerun“ etabliert. Anfangs hatte es eine Fläche in etwa von der Größe des heutigen Kamerun. 1911 erweiterte sich das Gebiet durch Annexionen beträchtlich.

Die Geschichte der Kolonie ist von Gewalt geprägt, die insbesondere von den kaiserlichen Schutztruppen gegen die Duala und benachbarte Ethnien ausging. Bereits damals waren diverse militärische Aktionen zur Niederschlagung von Unruhen, aber auch allgemein die Behandlung der einheimischen Bevölkerung sowie die praktizierte Sklavenhaltung, umstritten.

Andererseits sorgte die Kolonialverwaltung für eine Modernisierung im Kolonialgebiet. Es gab Investitionen in das Schul- und Gesundheitswesen, aber auch in die Infrastruktur der Kolonie. So wurde 1889 die heutige Hauptstadt Yaoundé als deutsche Forschungsstation Jeundo im Inland gegründet und zum Verwaltungszentrum entwickelt. An der Küsten wurden moderne Hafenanlagen errichtet, so dass verschiedene Schifffahrtslinien einen regelmäßigen Überseeverkehr wie auch Küstendienst abwickeln konnten. Die Anbindung des Inlands geschah per Schiene und Straße. Im Vergleich zu den Streckennetzen der großen Kolonien Deutsch-Ostafrika und -Südwestafrika nahm sich das Kameruner Bahnnetz allerdings vergleichsweise bescheiden aus. Die erste Postanstalt in Kamerun wurde am 1.2.1887 in Duala eröffnet. 1911 bestanden dann bereits 37 Post- und 11 Telegrafenanstalten.

Wirtschaftlich war der Export von Agrarprodukten dominierend, die auf Plantagen rund um den Kamerunberg herum erzeugt wurden. Insbesondere waren das Palmöl, Kautschuk, Kakao, Gummi und Bananen. Tatsächlich überstiegen jedoch am Vorabend des Ersten Weltkriegs die Importe die Exporterlöse, so dass die Kolonie Kamerun dem Deutschen Reich auch ökonomisch zunehmend Verluste einbrachte. Die Währung in der Kolonie waren Mark und Pfennig.

Nur etwa zwei Jahre konnten die Schutztruppen im Ersten Weltkrieg dem Angriff alliierter Verbände aus Belgien, Großbritannien und Frankreich widerstehen. Am 18.2.1916 ergab sich der Großteil der Schutztruppe auf dem benachbarten spanischen Herrschaftsgebiet. Aufgrund des Versailler Vertrages wurde das Kolonialgebiet 1919 zwischen Großbritannien und Frankreich aufgeteilt.

Sammelgebiet Kamerun

Wie üblich wurden auch in Kamerun zunächst die aktuellen Freimarken der Reichspost verwendet, die nur anhand der Abstempelung „KAMERUN“ oder „KAMERUN-GEBIET“ als Kolonialpost erkennbar waren. So beginnt auch das Sammelgebiet Kamerun mit Vorläufern auf den „Pfennig“-Marken der Reichspost. Insgesamt weist der Michelkatalog 13 Vor- und 6 Mitläufer aus. Die eigenen Freimarken der Kolonie sind die „Krone/Adler“-Serie mit dem einzeiligen schwarzen Schrägaufdruck „Kamerun“ ab April 1897. Ab November 1900 erhielt Kamerun zeitgleich mit dem benachbarten Togo die Kolonialausgaben mit dem Motiv der Kaiseryacht „Hohenzollern“ und der Inschrift des Landesnamens. Insgesamt weist der Michelkatalog 25 Hauptnummern für eigene Marken der Kolonie aus, die letzten 6 in Friedens- und Kriegsdruck. Danach gibt es allerdings noch 13 Freimarken, die nach der Besetzung durch belgische, britische und französische Streitkräfte ab August 1914 mit dem Aufdruck „C.E.F.“ sowie dem Tarif in Pence (d) oder Shilling (S) verwendet wurden.

Die gestempelten Shillingwerte dieser Serie sind selten und gesucht. Eine noch größere Rarität ist die senkrecht halbierte 20-Pfennig-Freimarke der Kaiseryacht, die am 19.5.1911 in Longli mit dem Dienstsiegel versehen und unbeanstandet befördert wurde. Keine andere bekannte Halbierung ist ein gültiges Postwertzeichen.

Für das Sammelgebiet gibt es ferner 3 Markenheftchen, 14 Markenheftchenblätter und 24 Zusammendrucke. Viele davon sind selten und hochpreisig.

Deutsch-Südwestafrika

Das „Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika“ lag auf dem Gebiet des heutigen Staates Namibia. Die Ausdehnung der Kolonie machte das Eineinhalbfache der Fläche des Deutschen Reiches aus; die Zahl seiner Einwohner betrug 1913 rund 200.000.

Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren es nur wenige europäische Siedler, Missionare und Händler, die im Inland der Region lebten. Das änderte sich, als der deutsche Tabakhändler Lüderitz am 1.5.1883 die dann nach ihm benannte Bucht und ihr Hinterland käuflich erwarb. In einem Telegramm von April 1884 teilte Reichskanzler Bismarck dem deutschen Konsul in Kapstadt mit, dass „Lüderitzland“, ein deutlich größeres Gebiet als das ursprünglich erworbene, nunmehr unter dem Schutz des Deutschen Reiches stehe. Das wurde durch eine offizielle Flaggenhissung in der Lüderitzbucht am 7.8.1884 sichtbar gemacht. Bismarck ernannte für die Region einen kaiserlichen Generalkonsul und Kommissar für „Deutsch-Westafrika“, der den ersten Schutzvertrag mit dem Häuptling der Nama abschloss. Sein Nachfolger setzte dies mit anderen Ethnien fort. Mit dem „Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika“ war eine weitere Kolonie des Deutschen Reiches entstanden.

In der Folgezeit erwarb die von Lüderitz gegründete „Deutsche Kolonialgesellschaft“ zugunsten der Kolonie umfangreiche angrenzende Gebiete. Einen weiteren Zuwachs erfuhr der Besitz durch Gebietsübertragungen der Briten aufgrund des Helgoland-Sansibar-Vertrages vom 1.7.1890. Schon bald wurde die Festung „Groß Windhuk“ errichtet und die Schutzgebietsverwaltung dorthin verlegt. Um sie herum entstand eine bedeutende Ansiedlung, die heute als „Windhoek“ auch die Hauptstadt Namibias ist.

Ähnlich wie in „Deutsch-Ostafrika“ kam es im Schutzgebiet Südwestafrika immer wieder zu Aufständen und Unruhen der einheimischen Bevölkerung. Als besonders grausam und verlustreich erwies sich der Kampf gegen die Herero und die Nama zwischen 1904 und 1907, der heute von einigen Historikern als „Völkermord“ eingestuft und juristisch aufgearbeitet wird.

Vergleichsweise friedlich verliefen die Jahre 1908 bis 1914. Im Laufe der Zeit hatte sich eine nennenswerte Anzahl deutschen Siedler in der Kolonie niedergelassen, die vorwiegend von der Land- und Viehwirtschaft lebten. In der Infrastruktur investierte die Kolonialverwaltung vorrangig in den Eisenbahnbau. An Rohstoffen wurden insbesondere Diamanten gefunden und von der Deutschen Kolonialgesellschaft ausgebeutet. Das erste Postamt öffnete im Juli 1888 in Otyimbingue. Bis 1913 entstanden in Deutsch-Südwestafrika 102 Post- und Telegraphenanstalten. Kleinere Postagenturen wurden oft nebenbei von Bahnbeamten oder Polizisten betrieben. Ferner entwickelte sich ein modernes Netz von Fernmeldeverbindungen, bei dem auch die neue Technologie der „Heliographie“ zur Übertragung von Telegrammen zum Einsatz kam. Die Währung in der Kolonie waren Mark und Pfennig.

Der Erste Weltkrieg erreichte die Kolonie im September 1914, als südafrikanische Truppen die Lüderitzbucht besetzten. Nach und nach fielen auch die übrigen Gebiete in die Hände der südafrikanischen Armee, bis die deutschen Truppen schließlich im Juli 1915 kapitulierten. Formal wurde das Ende von „Deutsch-Südwestafrika“ mit der mandatierten Verwaltung des Kolonialgebietes durch die Südafrikanische Union aufgrund des Versailler Vertrags 1919 besiegelt.

Sammelgebiet „Deutsch-Südwestafrika“

Nachweise zur Verwendung von deutschen Reichspostmarken in Deutsch-Südwestafrika existieren seit dem 16.7.1888, dem Tag der Öffnung der Postagentur in Otyimbingue. Insgesamt 13 Hauptnummern für Vorläufer und 6 für Mitläufer verzeichnet der Michelkatalog. Im Mai 1897 wurden die ersten eigenen Marken der Kolonie gültig, die Krone/Adler-Serie mit dem zweizeiligen schwarzen Schrägaufdruck des Landesnamens in drei Wörtern. Ab 1901 gab es auch für Deutsch-Südwestafrika Freimarken mit den Kaiseryachtmotiven und dem Landesnamen in der Inschrift. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs war die Kolonie von allen Außenverbindungen abgeschnitten, und so gelangten auch keine weiteren Ausgaben der Reichspost mehr in das Schutzgebiet. Feldpostkorrespondenz ist bis zum 9.7.1915 zu finden. Insgesamt sind zusätzlich zu den Vor- und Mitläufern 32 Hauptnummern für Deutsch-Südwestafrika im Michelkatalog ausgewiesen. Für das Sammelgebiet gibt es ferner 3 Markenheftchen, 14 Markenheftchenblätter und 24 Zusammendrucke. Viele davon sind selten und hochpreisig.

Raritäten des Sammelgebiets sind die beiden unverausgabten Adler/Krone-Marken zu 25 und 50 Pfennig in trotzdem existierender gebrauchter Erhaltung. Rar und kurios zugleich ist ein Papierkragen, der von einem deutschen Afrikareisenden 1899 als Postkarte nach Deutschland benutzt und postalisch korrekt frankiert und befördert wurde.

Deutsch-Ostafrika

Das Gebiet der Kolonie „Deutsch-Ostafrika“ umfasste die heutigen Länder Tansania (ohne Sansibar), Burundi und Ruanda sowie einen kleinen Teil von Mosambik. Die Gesamtfläche der Kolonie war fast doppelt so groß wie das Gebiet des Deutschen Reiches. Damit war Deutsch-Ostafrika das größte und mit fast 8 Millionen Einwohnern auch das bevölkerungsreichste deutsche Schutzgebiet.

Vorreiter und treibende Kraft für den Erwerb von Besitzungen in Ostafrika waren Privatpersonen wie Carl Peters, der im November 1884 ohne staatlichen Auftrag nach Ostafrika reiste und dort „Schutzverträge“ mit lokalen Machthabern abschloss. Mit politischem Druck gelang es Peters nur wenig später, Reichskanzler Bismarck dazu zu bewegen, am 27.2.1885 einen von Kaiser Wilhelm unterzeichneten „Schutzbrief“ zu erlassen, der die Besetzung ostafrikanischer Gebiete unter dem Namen „Deutsch-Ostafrika“ als Kolonie des Deutschen Reiches legitimierte.

In der Folgezeit arbeitete Peters als Leiter der „Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft“ (DOAG) daran, durch weitere Schutzverträge Gebietszuwächse zu erzielen. Schon bald führten diese Besitznahmen zu Konflikten mit britischen Interessen, was jedoch im November 1886 durch ein Abkommen über die Abgrenzung der Einflusssphären in Ostafrika geregelt werden konnte. 1891 übernahm das Deutsche Reich alle Besitzansprüche der DOAG und konstituierte offiziell das „Schutzgebiet Deutsch-Ostafrika“. Im Jahr zuvor, am 1.6.1890, hatte es ein weiteres Abkommen zwischen Großbritannien und dem Deutschen Reich gegeben, nämlich den berühmten Helgoland-Sansibar-Vertrag, in dem deutsche Rechte an einigen Gebieten in Afrika gegen die britischen Rechte an Helgoland getauscht wurden.

Auf dieser völkerrechtlichen Basis festigte das Deutsche Reich auch in Deutsch-Ostafrika seine Herrschaft. Soweit es zu Unruhen kam, wurden diese gewaltsam und durch repressiven Strafaktionen unterbunden. Andererseits waren positive Entwicklungen zu verzeichnen, was den Ausbau der Infrastruktur und das Wachstum der Wirtschaft, aber auch Schulwesen und Gesundheitsversorgung betraf. Die landwirtschaftliche Erzeugung dominierten Kaffee, Kautschuk und Sisal. Zum Abtransport der Produktion wurden einige Eisenbahnstrecken gebaut, durch die das Landesinnere an die Küstenregion angeschlossen wurde. Das Netz von Post- und Telegrafenagenturen baute sich nur langsam auf. Immerhin gab es 1904 außer dem Postamt in der Hauptstadt Dar-es-Salam längs der Küste 8 und im Landesinneren 21 Postagenturen.

Im Ersten Weltkrieg kam es in Deutsch-Ostafrika zu schweren Gefechten mit Truppen der Alliierten mit vielen Opfern unter den Soldaten und in der Zivilbevölkerung. Die Kolonie wurde Ende 1917 von alliierten Streitkräften besetzt, formal vom Deutschen Reich allerdings erst aufgrund des Versailler Vertrags im Januar 1920 aufgegeben, der Verwaltung durch den Völkerbund unterstellt und später dann als Mandatsgebiet zwischen Belgien, Großbritannien und Portugal aufgeteilt.

Sammelgebiet „Deutsch-Ostafrika“

Philatelistisch hinterließen die komplexen geschichtlichen Ereignisse in Deutsch-Ostafrika eindrucksvolle Zeugnisse. Das Sammelgebiet beginnt mit Vorläufern in den drei Ausgabengebieten Wituland mit der Postagentur Lamu (November 1888 – März 1891), Sansibar (August 1890 – Juli 1891) und der Postanstalt in der Hauptstadt Dar-es-Salam (ab Oktober 1890).

Erst relativ spät, nämlich nach der Einigung mit Großbritannien, wurden die ersten eigenen Marken der Reichspost in der Kolonie gültig. Es waren die Krone/Adler-Ausgaben mit einem einzeiligen schwarzen Aufdruck des Portobetrages in der Landeswährung „PESA“ vom 1.7.1893. Im Unterschied zu einigen anderen Kolonien besaß Deutsch-Ostafrika die eigene Währung „Rupie“ mit der Stückelung „Pesa“. Die Freimarken mit dem Motiv der Kaiseryacht, die zum 1.1.1901 erschienen, trugen bereits als Inschrift den Namen der Kolonie und den Portobetrag in Pesa und Rupien. Ab April 1905 änderte sich bei der Währung die Stückelung von „Pesa“ in „Heller“.

Insgesamt sind im Michelkatalog außer 13 Vor- sowie 6 Mitläufern 39 Hauptnummern eigener Kolonialmarken katalogisiert. Weitere 32 Marken sind für die Verwendung von Reichspostmarken auf der Insel Mafia ausgewiesen, die nach der Besetzung britischer Truppen am 14.1.1915 mit einem schwarzen oder farbigen Aufdruck „G.R. MAFIA“ bzw. „G.R. POST MAFIA“ versehen wurden, aber weitestgehend ungebraucht blieben. Originalstücke sind gesuchte Raritäten des Sammelgebietes.

Für das Sammelgebiet gibt es ferner 3 Markenheftchen, 15 Markenheftchenblätter und 24 Zusammendrucke. Viele davon sind selten und hochpreisig. Sich heutzutage vorzustellen, dass in Ostafrika Markenheftchen verwendet wurden, in denen Inserate und Reklamedrucke von Firmen im weit entfernten Deutschland zu sehen waren, erscheint kurios oder sogar befremdlich.

Auch heute besteht bei zahlreichen Sammler*innen großes Interesse an Ganzsachen vom 9.8.1890, die den Sansibar-Helgoland-Tausch belegen. Gesuchte Objekte sind dabei Briefe mit deutsch-englischer Mischfrankatur.

Deutsch-Neuguinea

Neuguinea ist eine Insel im Pazifischen Ozean, flächenmäßig nach Grönland die zweitgrößte der Erde. Politisch ist sie heute geteilt: ihre Westhälfte gehört zu Indonesien, die Osthälfte ist Teil des unabhängigen Staates Papua-Neuguinea.

Im 19. Jahrhundert war sie wegen ihres Reichtums an Naturprodukten begehrtes Ziel europäischer Mächte. Bereits 1828 besetzten die Niederländer einen Teil der Insel, es folgten die Briten und schließlich eine deutsche Expedition. 1884 wurde die Insel dann zwischen diesen drei Kolonialmächten aufgeteilt. Der nordöstliche Teil der Insel fiel als „Kaiser-Wilhelms-Land“ dem Deutschen Reich zu. Am 17.11.1884 wurde dort die Reichsflagge gehisst. Genau ein Jahr später erhielt die Handelsgesellschaft „Neuguinea-Kompagnie“ einen kaiserlichen Schutzbrief, der ihr wirtschaftliche Nutzungsrechte in Kaiser-Wilhelms-Land einräumte, aber auch hoheitliche Aufgaben der Verwaltung übertrug.

Erst ab 1899 stellte die Reichsregierung „Kaiser-Wilhelms-Land“ als Teil von „Deutsch-Neuguinea“ unter seine eigene Verwaltung. Zu dem neuen Schutzgebiet gehörten ferner der Bismarck-Archipel, die nördlichen Salomonen-Inseln, die Karolinen, die nördlichen Marianen, Palau, Nauru und die Marshallinseln. Das waren die gesamten Besitzungen in der „Deutschen Südsee“ mit Ausnahme von Deutsch-Samoa, die als eigenständige Kolonie verwaltet wurden.

Die Kolonie war vom Deutschen Reich aus per Schiff in nicht weniger als 6 Wochen zu erreichen; per Sibirischer Eisenbahn konnte das in 35 Tagen gelingen. Die Entfernungen innerhalb des Kolonialgebietes waren ebenfalls gewaltig; so konnte es 60 Tage dauern, bis ein Poststück einen Empfänger im selben Kolonialgebiet erreichte. Die Einwohnerzahl wurde für das Jahr 1913 auf insgesamt 200.000 Menschen geschätzt. Im Zuge des Ersten Weltkriegs besetzten ab August 1914 australische Truppen für Großbritannien Deutsch-Neuguinea, das am 17.9. kapitulierte und den Postdienst einstellte.

Sammelgebiet „Deutsch-Neuguinea“

Bis zur Einrichtung eigener Postdampferlinien nach Ostasien und Australien im Sommer 1886 wurde die Post von und nach Deutsch-Neuguinea von ausländischen Schiffen befördert, die mehr oder weniger regelmäßig das Schutzgebiet besuchten. Mitte Februar 1888 wurde in Finschhafen an der Salomonsee die erste Deutsche Postanstalt errichtet. Nach und nach kamen im Laufe der nächsten Dekade 8 weitere Postagenturen dazu. Die seltenen und unregelmäßigen Verbindungen der Postorte untereinander bewirkten oft Verzögerungen für die Verfügbarkeit aktueller eigener Marken. Das ist der Grund dafür, dass sich noch Abstempelungen auf unüberdruckten Marken des Deutschen Reiches fanden, lange nachdem bereits eigene Marken herausgegeben worden waren.

Die ersten bei den Postämtern Deutsch-Neuguineas verwendeten Freimarken des Deutschen Reiches sind die sog. „Pfennig“-Marken. Diese und die nachfolgende Serie „Krone/Adler“ bilden die 13 Vorläufer des ammelgebietes. Ferner gibt es 6 Mitläufer.

Die ersten eigenen Marken für die Kolonie ist die „Krone/Adler“-Serie mit zweizeiligem schwarzem Schräg-Aufdruck „Deutsch Neu-Guinea“. Ende 1900 / Anfang 1901 waren die Freimarken mit der Kaiseryacht und dem Landesnamen „Deutsch-Neu-Guinea“ in der Inschrift verfügbar. Im Herbst 1914 kamen die 3 Werte der Kaiseryacht in neuer Zeichnung und im Friedens- und im Kriegsdruck am Postschalter in Berlin zum Verkauf. Eine Verwendung dieser Marken in der Kolonie fand nicht mehr statt, nachdem australische Truppen ab August mit der Besetzung des deutschen Kolonialgebietes begonnen hatten. Im Postverkehr verwendet wurden dann jedoch noch bis 1915 die deutschen Kolonialmarken mit dem Aufdruck G.R.I. (Gregor Rex Imperator) und der Wertangabe in britischer Währung. Insgesamt weist der Michelkatalog für das Sammelgebiet 24 Hauptnummern eigener Marken sowie 15 Besatzungsmarken aus. Außer den Freimarken gehören ferner ein Einschreibezettel und 2 Dienstmarken dazu. Einige dieser Postwertzeichen aus der Zeit der Britischen Besetzung Deutsch-Neuguineas sind gesuchte Raritäten des Sammelgebietes.

Erwähnt sei an dieser Stelle eine berühmte Rarität aus dem Sammelgebiet der deutschen Kolonien in der Südsee, nämlich das sog. „Vineta-Provisorium“ von 1901. Dabei handelt es sich um eine Aushilfsausgabe, die entstand, als auf dem deutschen Kreuzer „Vineta“ mangels 3-Pfennig-Marken 300 Marken zu 5 Pfennig geteilt und die Hälften jeweils mit einem violetten Handstempelaufdruck „3PF“ versehen wurden, was eine Auflage von 600 Stück ergab.

Deutsche Kolonien

Nach der Gründung des Deutschen Reiches, der Krönung von Wilhelm I zum Deutschen Kaiser im Versailler Schloss und dem Inkrafttreten des Zusammenschlusses zum 1.1.1872 war die innere Einigung der neuen Nation höchste Priorität bei der Reichregierung mit ihrem Kanzler Otto von Bismarck. Außenpolitisch war ihr vorrangiges Ziel ein Aufschließen zu den seinerzeitigen Großmächten, vor allem Großbritannien und Frankreich. Für Bismarck gehörte dazu zunächst keine aktive Kolonialpolitik, also die Inbesitznahme von überseeischen Gebieten als Kolonie.

Allerdings war es so, dass deutsche Handelshäuser seit Mitte des 19. Jahrhunderts immer intensivere wirtschaftliche Beziehungen in alle Teile der Welt, vor allem auch nach Afrika und Ostasien, geknüpft hatten. Außerdem gab es auch schon zwischenstaatliche Kontakte wie z.B. Preußens mit China oder zum Osmanischen Reich. Deutschen Kaufleuten, Forschungsreisenden und Auswanderern gelang es in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts, politische Kreise dafür zu gewinnen, Druck auf die Reichsregierung zugunsten einer proaktiven Kolonialpolitik aufzubauen.

Es war Deutsch-Südwestafrika, das im April 1884 als erstes Gebiet in Afrika unter den Schutz des Deutschen Reiches gestellt wurde. Im Juli folgten Schutzverträge für Togo und Kamerun. Die Inbesitznahme setzte sich 1885 fort: im Januar mit Kapitai und Koba an der westafrikanischen Küste, im Februar einige ostafrikanische Gebiete und im April Wituland im heutigen Kenia. Damit war das Schutzgebiet Deutsch-Ostafrika errichtet.

Schon lange gab es auch nach Ostasien gewichtige deutsche Handelsbeziehungen. Hinzu kamen strategische Interessen der kaiserlichen Regierung, die inzwischen über eine erstarkte Marine verfügte. So wurde im November 1884 in Apia auf Neuguinea die Reichsflagge gehisst und damit Deutsch-Neuguinea als erstes Schutzgebiet des Deutschen Reiches in Asien geschaffen. Unter seine Verwaltung hinzu kamen dann im Oktober 1885 die Marshallinseln sowie 1899 die Marianen und die Karolinen. In getrennter Verwaltung erweiterte sich der Besitz im März 1900 um Samoa, nachdem bereits ein Jahr zuvor Kiautschou in China per Pachtvertrag als Schutzgebiet erworben worden war.

Zeitweise gab es in einigen Schutzgebiete zum Teil heftige Unruhen und Aufstände gegen die Kolonialverwaltung. Diese wurden in aller Regel durch gewaltsame Einsätze der Schutz- oder Polizeitruppen unterbunden. Zunehmend bekannt wurden ferner Übergriffe gegenüber der einheimischen Bevölkerung und deren oft prekären Lebensbedingungen. Dies führte auch im Deutschen Reich zu Widerständen gegen die praktizierte Politik, so dass etwa ab 1906 ein Umdenken über die Behandlung der einheimischen Menschen und über eine Verbesserung ihrer sozialen Lage einsetzte. Dies erwies sich moralisch und wirtschaftlich als erfolgreich. Im Ersten Weltkrieg gingen dann allerdings alle Besitzungen des Deutschen Reichs verloren, viele Gebiete de facto bereits ab August 1914, de iure aller Kolonien mit dem Versailler Vertrag von 1919.

Sind also aus heutiger Sicht die rund dreißig Jahre deutscher Kolonien „Schnee von gestern“? Eine lange abgeschlossene, zeitlich sehr begrenzte Episode deutscher Geschichte? Dies zu meinen, stellt sich gerade im Jahr 2021 als Trugschluss heraus, wenn man an die aktuellen schwierigen Verhandlungen mit Regierungsvertretern von Namibia über Entschädigungszahlungen denkt oder weiß, dass das in dem Jahr eröffnete Humboldt Forum in Berlin die Aufarbeitung der Deutschen Kolonialpolitik zu einem Schwerpunktthema gemacht hat.

Ähnlich wie Großbritannien mit der „East Indian Company“ oder Frankreich mit der „Compagnie des Indes“ verfolgte auch Bismarck die Idee, privaten (Handels-) Gesellschaften durch staatliche „Schutzbriefe“ Handel und Verwaltung der jeweiligen Deutschen Schutzgebiete zu übertragen. Dieses Modell hatte sich weder im britischen und französischen Fall bewährt, noch funktionierte es bei den deutschen Schutzgebieten, so dass früher oder später alle Kolonien der staatlichen Verwaltung unterstellt wurden. Damit war es letztlich das Deutsche Reich als Staat, der die Verantwortung für das ökonomisch insgesamt verlustreiche und ethisch fragwürdige Geschehen in den Schutzgebieten

Ihre bzw. seine Position zur Verantwortungsfrage beim Thema „Deutsche Kolonialpolitik“ muss jeder Sammlerin selbst festlegen. Unzweifelhaft ist aus unserer Sicht, dass es gerade vor diesem Hintergrund legitim und fruchtbar ist, sich auch philatelistisch mit diesem geschichtsträchtigen, hochinteressanten und komplexen Sammelgebiet auseinanderzusetzen.

Sammelgebiet „Deutsche Kolonien“

Das Sammelgebiet umfasst Briefmarken, Zusammendrucke, Markenheftchen, Markenheftchenblätter und Belege über rund Jahre. Der philatelistische Bestand ist vergleichsweise gleichwohl komplex und wegen seiner Exotik hochinteressant. Er beginnt bei vielen Teilgebieten mit Vorläufern und weist danach „eigene“ Marken auf, also solche mit dem aufgedruckten oder eingravierten Landesnamen. Bei einigen Kolonien wird das Teilgebiet ergänzt, wenn es unter britische oder französische Besetzung geraten ist und dort noch vorhandene Reichspostmarken mit dem Aufdruck der Besatzungsmacht weiterverwendet worden sind.

Deutsche Post in der Türkei

Das Osmanische Reich musste im 19. Jahrhundert aufgrund von Unabhängigkeitsbestrebungen im Inneren und kriegerischen Auseinandersetzungen mit europäischen Mächten erhebliche Gebietsverluste hinnehmen. Gleichwohl unterhielten einige Altdeutschen Staaten und danach das Deutsche Reich fruchtbare diplomatische und wirtschaftliche Kontakte zum Osmanischen Reich. Strategisch interessant war aus deutscher Sicht vor allem ein Zugang zum indischen Ozean über Konstantinopel. Als der Norddeutsche Bund am 1.3.1870 als erste deutsche Postanstalt im Ausland die „Norddeutsche Postagentur Constantinopel“ eröffnete, waren fremde Postverwaltungen wie Österreich, Russland, Großbritannien und Frankreich schon lange vor Ort tätig. Im Mai 1871 wurde die Agentur dann in ein
„Deutsches Reichs-Postamt“ umgewandelt. Weitere Einrichtungen in Städten des Osmanischen Reiches folgten im Laufe der nächsten Jahre. Sie wickelten einen Postverkehr erheblichen Umfangs ab. Zum 30.9.1914 mussten sämtliche deutsche Postanstalten auf Anordnung der Regierung des Osmanischen Reiches schließen. Erst 1923 wurde die Republik Türkei als Nachfolgestaat gegründet.

Sammelgebiet „Deutsche Post in der Türkei“

Für das Sammelgebiet gibt es mehrere Ausgaben als Vorläufer. Zunächst sind dies die im März 1870 erschienenen Freimarken des Norddeutschen Bundes. Dass sie im Osmanischen Reich verwendet wurden, ist nur an den Stempeln zu erkennen, die ausgeschrieben oder abgekürzt „Norddeutsche Post-Agentur“ oder „N.P.A.“ ausweisen. Ebenfalls zu den Vorläufern zählen die Ausgaben des Deutschen Reiches von 1872 bis 1880. Anfangs waren das Werte der beiden Brustschildausgaben, der Pfennige-Serie sowie die Innendienstmarke zu 2 Mark. Ausgaben mit Stempeldaten ab Februar 1884 sind Mitläufer.

Die Freimarken der Reichspost von Januar 1884 für das Osmanische Reich tragen als schwarzen Überdruck die Währungsangaben in Para oder Piastern. Im August 1908 ändert sich der Währungsaufdruck in französische Centimes. Der Grund hierfür war, einen Wettbewerbsnachteil für die Deutsche Post auszugleichen, der sie durch Umrechnungsdifferenzen bei Drucksachen und Warenproben zuvor für Gewerbetreibende vergleichsweise teuer gegenüber anderen Postverwaltungen gemacht hatte. Diese Ausgabe verlor ihre Gültigkeit am 30.9.1914.

Es waren auch Warenproben, die zu einer Rarität dieses Sammelgebietes geführt haben. Dabei ging es um ein Exportgut des Osmanischen Reiches, nämlich Sultaninen, die in runden Schachteln aus Smyrna, dem heutigen Izmir, als Proben versandt wurden. Auf den Deckeln oder Böden verklebt waren Frankaturen, Stempel und Klebezettel, die als runde Belege mit „Rosinenmarken“ und „Rosinenstempeln“ bei Sammlern gesucht sind.

Die insgesamt 52 Hauptnummern der Aufdruckmarken der Deutschen Post in der Türkei bieten für Spezialisten ein reiches Betätigungsfeld bezüglich Farb- und Aufdruckabarten, Plattenfehlern oder Hausauftragsnummern. Außerdem sind die Haupt- und Nebenstempel der vier deutschen Postämter sammlerisch reizvoll.

Deutsche Post in Marokko

Frankreich hat im 19. Jahrhundert auch in Nordafrika seine Interessen militärisch durchgesetzt und weite Gebiete unter seine Kontrolle gebracht. Das galt insbesondere für Algerien und Tunesien. Allerdings betrachtete Frankreich auch das Sultanat Marokko als sein Einflussgebiet. Dem setzte die Regierung des Deutschen Reiches eigene Interessen entgegen. Dazu gehörten die Eröffnung eines eigenen
Postamtes in Tanger im Dezember 1899, der Ausbau eines Netzes von etwa einem Dutzend deutscher Postanstalten in weiteren Städten in Marokko und schließlich der Besuch des deutschen Kaisers in Tanger im März 1905. Die deutschen Postanstalten deckten in der ersten Zeit nur den Postverkehr entlang der Küste ab. Die Beförderung der Post in das bzw. aus dem Inland übernahmen private Kurierdienste, die auch eigene Marken herausgaben.

1912 schuf Frankreich Fakten und besetzte auch Marokko. Im Vertrag von Fès verzichtete der Sultan gezwungenermaßen zugunsten von Frankreich auf seine Souveränität, Nordmarokko wurde als Protektorat an Spanien abgetreten und Tanger erhielt einen internationalen Status. Kriegsbedingt konnte der Postverkehr der deutschen Postanstalten in der spanischen Zone ab Anfang 1914 nur in eingeschränktem Umfang fortgeführt werden. Die deutschen Postanstalten in der französischen Zone stellten bereits Anfang August 1914 ihren Betrieb ein; mit Tanger schloss das letzte deutsche Postamt allerdings erst sieben Jahre später im Juni 1919.

Sammelgebiet „Deutsche Post in Marokko“

Als Vorläufer des Sammelgebietes zu betrachten sind die Reichspostmarken der Ausgabe von 1889, die von Vertretern der Schiffe der Woermann-Linien ab 1893 postamtlich verkauft wurden. Entwertet wurden sie durch Seepoststempel, und zu erkennen sind sie an entsprechenden Annahme- oder Absendervermerken.

Im Laufe des Jahres 1899 wurden dann 6 Reichspostmarken der Krone/Adler-Serie mit dem diagonalen schwarzen Aufdruck „Marocco“ hergestellt. Wegen Umrechnungsschwierigkeiten wurden diese jedoch nicht ausgegeben und existieren deshalb nur ungebraucht. Am 20.12. desselben Jahres erschienen sie dann mit dem Aufdruck des Landesnamens und der Landeswährung 3 bis 60 Centimos der Landeswährung Peseta. Insgesamt verzeichnet der Michelkatalog 58 Hauptnummern herausgegebener und 16 nicht bzw. nicht amtlich herausgegebener Marokko-Marken. Bei der letzten Serie der ausgegebenen Marken von 1911 wird zwischen dem Friedens- und dem Kriegsdruck unterschieden.

Zu den Raritäten des Sammelgebietes gehören ganze Sätze der unverausgabten Serie von 1905.

Deutsche Post in China

Das bis dahin unter der Qing-Dynastie starke China erlebte im 19. Jahrhundert einen ungeahnten Niedergang. Hauptursachen dafür waren innenpolitische und soziale Spannungen, Naturkatastrophen und der militärische Druck durch ausländische Mächte, insbesondere Großbritannien und Japan. Beide Nationen führten erfolgreich Kriege gegen China und setzten damit auch ihre Handelsinteressen durch. Dazu gehörte die Einrichtung von Postämtern durch Großbritannien 1842 und Japan 1876. Ebenfalls mit Postanstalten vertreten waren Russland, Frankreich und die USA, während die Postverbindung zwischen China und Deutschland durch regelmäßig verkehrende Reichspostdampfer sichergestellt war. Dies änderte sich im August 1886 mit der Einrichtung einer Kaiserlich Deutschen Postagentur in Schanghai. Es folgten weitere in etwa fünfzehn Städten. Truppen der Armee des Deutschen Reiches kämpften auf Seiten der Alliierten im „Boxeraufstand“ 1900/1901 in Nordchina. In der Zeit kamen in der Region Petschili 10 Feldpoststationen hinzu. Als Folge des ersten Weltkriegs wurden alle deutschen Postanstalten in China geschlossen, die letzten Einrichtungen am 16. März 1917.

Sammelgebiet „Deutsche Post in China“

Die ersten Marken des Sammelgebietes „Deutsche Post in China“ sind „Vorläufer“. Sie gehören zur Serie „Ziffern bzw. Reichsadler im Oval“ und datieren von 1886. Die ersten eigenen Ausgaben mit dem Schrägaufdruck „China“ auf Wertzeichen des Deutschen Reiches stammen von März 1898. Insgesamt weist der Michelkatalog – einschließlich des Schaltersatzes – 47 Hauptnummern aus sowie während des Boxeraufstands zusätzlich 34 Feldpostausgaben in der Provinz Petschili. Die Wertzeichen seit Oktober 1905 tragen zusätzlich zum „China“-Aufdruck noch einen Aufdruck in Cent- und Dollarwährung, weil Silberdollars die gängige Währung im Zahlungsverkehr der Ausländer untereinander und mit Chinesen war. Für die Ausgaben ab 1906 trifft ferner auch auf die China-Marken die Unterscheidung nach Friedens- und Kriegsdruck zu. Das Sammelgebiet endet Mitte März 1917 mit der Schließung aller deutschen Postanstalten.

Das Gebiet „Deutsche Post in China“ weist eine große Vielfalt an Marken, Stempeln und Belegen auf. Zu seinen Raritäten gehören gestempelte 3 Pf. – Marken des Aufdrucktyps I sowie die Handstempelaufdrucke, nachdem im Postamt Tientsin währen des Boxeraufstands die Marken mit dem normalen Aufdruck „China“ ausgingen und provisorisch ersetzt wurden.

Deutsche Auslandspostämter und Kolonien

Der Michelkatalog fasst in seinem gleichnamigen Abschnitt zwei Gruppen von Briefmarkenausgaben zusammen. Zum ersten sind das deutsche Auslandspostanstalten in politisch selbständigen Ländern, in denen kein eigenes, staatlich organisiertes oder dem Weltpostverein angeschlossenes Postsystem bestand. Konkret geht es um dieDeutsche Post in China, dieDeutsche Post in Marokkosowie dieDeutsche Post in der Türkei.

Die zweite Gruppe sind die Postanstalten in den Deutschen Kolonien. Das sind die Besitzungen des Deutschen Reichs in Übersee, die aufgrund von Pacht- oder Kaufverträgen sowie aufgrund von „Schutzverträgen“ erworben worden sind.

Ein Postverkehr zwischen Deutschland und ausländischen Destinationen hat eine lange Geschichte. Im 19. Jahrhundert hatte die Reichs-Postverwaltung mit deutschen und ausländischen Schifffahrtsgesellschaften die Beförderung von Briefen und Paketen vereinbart. In Regionen, wo es ein hohes Postaufkommen gab, mussten eigene deutsche Posteinrichtungen geschaffen werden. Anfangs waren es Kaufleute, Konsulatsangehörige oder Angehörige der Schutztruppe, die den Postdienst leisteten. Dann wurden deutsche Postämter im Ausland eingerichtet und auch Postbeamte entsandt. Die erste deutsche Postanstalt in Afrika wurde am 1.2.1887 in Kamerun eingerichtet. 1988 folgte die Postagentur in Lamu In Deutsch-Ostafrika und danach entstanden Postanstalten an weiteren Standorten in Afrika und in der Südsee.

Neben den Postanstalten in den Schutzgebieten unterhielt die Reichs-Postverwaltung auch Posteinrichtungen in verschiedenen ausländischen Staaten. So eröffnete die Norddeutsche Bundespost bereits 1870 ein Postamt in Konstantinopel; später kamen Postanstalten in Jaffa, Beirut, Smyrna und Jerusalem hinzu. In Nordafrika wurde für den Postverkehr mit Marokko 1899 ein deutsches Postamt in Tanger eingerichtet, dem Postagenturen in weiteren Städten wie Casablanca und Rabat unterstanden.

Nach der Reichsgründung stiegen der überseeische Handel und Postverkehr beträchtlich an, so dass sich die Reichsregierung zur Einrichtung staatlich geförderter Dampferlinien entschloss. So entstand die Deutsche Ostafrika-Linie, und Reichspostdampfer unterhielten auch Verbindungen Ostasien, Australien und Südwestafrika. Im August 1886 erreichte der erste Reichspostdampfer Shanghai, wo dann auch eine deutsche Postagentur eröffnet wurde.

Sowohl für die Auslandspostämter wie auch für die Postanstalten in den Schutzgebieten finden sich sog. Vor- und Mitläufer. Unter Vorläufern sind gemäß Michelkatalog Postwertzeichen der Deutschen Reichspost (bzw. im Fall der Türkei auch der Norddeutschen Post) zu verstehen, „die bei den deutschen Postanstalten im Ausland sowie der Kolonien ohne besondere Kennzeichnung bis zur Ausgabe eigener Ausgaben in Verwendung waren“ und nur durch ihre Abstempelung als Auslands- bzw. Kolonialmarken zu identifizieren sind. Unter Mitläufern sind gemäß Michelkatalog dieselben Postwertzeichen zu verstehen, die noch gültig verwendet wurden, während es bereits die „ersten eigenen, besonders gekennzeichneten Marken eines jeden Gebietes“ gab.

Eine Besonderheit dieses Sammelgebietes ist ferner der Schaltersatz. Dabei handelt es sich laut Michelkatalog um „147 ungebrauchte Werte der Deutschen Kolonien und Auslandspostämter, die noch von 1914 bis 1919 am Sammlerschalter in Berlin zu haben waren“, zum großen Teil aber nicht an den Postschaltern der Kolonien verkauft worden sind.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass zum Thema der „Deutschen Post im Ausland“ schließlich noch die „Deutsche Schiffspost im Ausland“ mit den Teilgebieten „Deutsche Seepost“ und „Deutsche Marine-Schiffspost“ zu zählen ist. Nach den Bestimmungen des Weltpostvereins ging es dabei um Schiffspost mit dem „Charakter eines im Ausland befindlichen Postamtes des Heimatlandes“. Eine „Deutsche Seepost“ bzw. „Deutsche Schiffspost“ gibt es seit dem 30.6.1886.

In der Darstellung des Sammelgebietes folgen wir der Systematik des Michelkatalogs, der weder eine chronologische noch eine geographische Gliederung wählt, sondern eine alphabetische. Diese Gliederung wird dem/der interessierten Sammler*in einen schnellen Abgleich mit dem Michelkatalog erleichtern.