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Die Weimarer Republik (November 1918 bis Ende Januar 1932)

Am 9.11.1918 hatte Reichskanzler Max von Baden nicht nur die Abdankung des Kaisers verkündet und sein Amt Friedrich Ebert übertragen, sondern einer seiner Staatssekretäre proklamierte vom Reichstagsgebäude aus auch die Republik. Zu diesem Zeitpunkt wurden bereits Verhandlungen mit den Alliierten über einen Waffenstillstandsvertrag geführt, welcher auf Drängen von Ebert am 11.11.1918 vereinbart wurde.

Dem Ende der Monarchie im Deutschen Reich folgten turbulente Wochen und Monate. Wahlen zur Nationalversammlung am 19.11.1919 bestimmten ihre Zusammensetzung als verfassungsgebendes Organ und bestätigten Ebert als Reichskanzler. Dennoch kam es an zahlreichen Stellen im Reichsgebiet zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen. So auch in Berlin, weshalb die Nationalversammlung am 6.2.1919 nicht in der Hauptstadt zusammentrat, sondern bis Ende September nach Weimar auswich. Dort war es, wo die Nationalversammlung im Juni dem Friedensvertrag notgedrungen zustimmte und Ende Juli die neue Verfassung verabschiedete.

Am 28.6.1919 wurde der Friedensvertrag im Schloss von Versailles unterzeichnet; wirksam wurden alle Regelungen per Januar 1920. Damit erkannten das Deutsche Reich und seine Verbündeten die alleinige Kriegsschuld an, womit nennenswerte Gebietsabtretungen und immense Reparationszahlungen verbunden waren. So verlor das Deutsche Reich Posen, das Warthe Land, Westpreußen und Oberschlesien an Polen, das Hultschiner Ländchen an die Tschechoslowakei, Nordschleswig an Dänemark, Eupen und Malmedy an Belgien und Elsass-Lothringen an Frankreich. Zudem büßte das Deutsche Reich nun auch de iure alle Kolonien ein.

Für einige Gebiete wurden spätere Volksabstimmungen zur Entscheidung über die Staatszugehörigkeit vereinbart (sog. „Abstimmungsgebiete“). Dazu gehörten Allenstein, Marienwerder, Oberschlesien, das Saargebiet und Schleswig. Völkerrechtliche Sonderregelungen wurden für Danzig, das Memelgebiet, Böhmen und Mähren, das Generalgouvernement, und das Sudetenland getroffen. Einzelheiten zu allen genannten Gebieten werden nachfolgend in eigenen Abschnitten behandelt.

Die Nationalversammlung löste sich im Mai 1920 auf. Nach den Reichstagswahlen Anfang Juni trat dann der Reichstag an die Stelle der Nationalversammlung als deutsches Parlament. Doch die junge Republik kam keineswegs zur Ruhe. Stetig verstärkten sich die politische Instabilität, die wirtschaftliche Krise und die desolate soziale Lage breiter Bevölkerungsschichten. Es folgten die schwierigen Jahre der Inflationszeit.

Erst mit der Währungsreform und der Einführung der Reichsmark Anfang Dezember 1923 gelang es der Reichsregierung, den weiteren Niedergang der Wirtschaft zu beenden, einen Aufschwung einzuleiten und die Arbeitslosigkeit einzudämmen. Zu verzeichnen waren dann sogar einige Jahre guten Wachstums, die einigen wenigen „Goldene Jahre“ brachten, die prekäre Lage der breiten Bevölkerung jedoch kaum verbesserten. So geriet die junge Demokratie durch das Erstarken extremistischer Parteien politisch in Not und schuf die Bedingungen für die Regierungsübernahme der Nationalsozialisten. Der Wunsch nach sozialem Ausgleich und einem starken Führer wuchs und bescherte der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei Zulauf und eine starke Fraktion bei den Reichstagswahlen im November 1932. So endete die knapp fünfzehnjährige Epoche der Weimarer Republik am 30.1.1933 mit der Wahl Adolf Hitlers zum Reichskanzler.

Sammelgebiet Weimarer Republik

Das Sammelgebiet umfasst – über die Ausgaben der Inflationszeit hinaus – 141 Hauptnummern im Michelkatalog für die Frei- und Sondermarken (Nr. 338-478) sowie 31 für die Dienstmarken. Anfangs waren ferner einige Telegrafen- und Retourmarken in Gebrauch. Es ist festzustellen, dass die Ausgabepolitik der Reichspost funktional-neutrale Motive bevorzugte mit Ausnahme der Germania-Serie, die mangels verfügbarer anderer Entwürfe zunächst mit Neuausgaben des (weitgehend) unveränderten Motivs fortgesetzt wurde. Bedeutende historische Ereignisse wie der Erste Weltkrieg, die Revolution der Arbeiterschaft, die Abdankung des Kaisers, der Versailler Vertrag oder die Ausrufung der Republik, waren kein Anlass für Briefmarkenausgaben. Erst in der Schlussphase, so meint auch K.J. Wrage in einer Publikation der Deutschen Post von 1998, zeigte die Weimarer Republik in ihrer Ausgabenpolitik mit einer Gedenkmarke zum Tod von Friedrich Ebert, der Amtsnachfolge durch Paul von Hindenburg und den Länderwappen unter dem Reichsadler ein nationales Profil.

Michael Adler weist in derselben Publikation auf drei philatelistische Neuerungen in der Zeit der Weimarer Republik hin. Zum einen sind das Luftpostmarken, die mit der schnell zunehmenden Beförderung von Poststücken per Flugzeug benötigt wurden. Zum anderen waren das Zuschlagsmarken, die sich mit dem Stichwort „Wohltätigkeit“ verbanden und die Besonderheit der der immer noch bekannten „Wohlfahrtsmarken“ begründeten. Und drittens sind das Blockausgaben, nachdem die erste mit dem IPOSTA-Block 1930 erschienen war.

Auch bei diesem Sammelgebiet ist noch eine Reihe von Besonderheiten und Abarten, wie z.B. stark verschobene Wertziffern, festzustellen, die jedoch bei Michel als Druckzufälligkeiten gar nicht katalogisiert werden. Zu den Raritäten des Sammelgebietes – über die Inflationszeit hinaus – zählen postfrische ungezähnte Marken (wie z.B. MiNr. 350, 373, 392), Marken mit liegendem statt stehendem Wasserzeichen (z.B. Mi.Nr. 392Y ungebraucht, 401Y gestempelt, D 126Y postfrisch), aber auch umgekehrt, nämlich stehendes statt liegendes Wasserzeichen (MiNr. 398X, 399X, 424X, 425X), einige der sog. Elferstreifen, Marken mit seltenen Plattenfehlern (z.B. MiNr. 434I) sowie der postfrische Flugpostsatz von April 1930 und seine Plattenfehler. Gesucht ist auch der schon erwähnte IPOSTA-Block sowohl in postfrischer wie in gestempelter Erhaltung. Schließlich zählt zu den größten Seltenheiten die unverausgabte „Burg Rheinstein“ in der neuen Wertbezeichnung „Reichsmark“ statt Mark.

Ferner kamen in der Zeit der Weimarer Republik 16 Markenheftchen (MH 16-31) sowie 17 Heftchenbogen mit 37 Blättern (MHB 10-26, H-Blatt 37-73) und diversen Zusammendrucken heraus. Die frühen Markenheftchen und einige der Markenheftchenblätter der Weimarer Zeit sind ebenfalls gesuchte Raritäten. Ab 1926 wiesen einige Freimarken eine „POL-Lochung“ auf. Dabei handelte es sich um eine innerdienstliche Lochung durch Polizeibehörden. Bei seltenen Lochungen erhöhen deutliche Aufschläge den Markenwert; Raritäten sind dabei jedoch selbst bei Ganzsachen nicht.

Die Inflationszeit (1916 – 1923)

Die Inflationszeit reicht von den letzten Jahren des Kaiserreiches bis in die ersten Jahre der Weimarer Republik. Aus philatelistischer Sicht rechtfertigt sich ein eigener Abschnitt für diesen Zeitraum.

Kostspielige Vorhaben der kaiserlichen Regierung wie der Flottenbau oder die Kolonialpolitik, sodann der Erste Weltkrieg und seine Folgekosten aus dem Versailler Vertrag wie auch ein Niedergang der Wirtschaft führten dazu, dass das inländische Preisniveau merklich anstieg. Moderat, aber spürbar, war dies ab August 1916 der Fall, sich beschleunigend dann bis 1922 und von da an bis November 1923 dramatisch in Form einer galoppierenden Inflation. Zunächst versuchte die Regierung, die Finanzierungslücken im Staatshaushalt durch zusätzliche Einnahmen zu schließen. Dazu wurde 1916 eine „außerordentlichen Reichsabgabe“ erhoben, die umgangssprachlich als „Kriegssteuer“ bezeichnet wurde. Diese führte zu einem ersten Preisschub. Für die breite Mehrheit der Bevölkerung ging damit eine gravierende Verschlechterung ihrer Versorgungslage einher. Mit der wachsenden Arbeitslosigkeit gerieten immer mehr Familien in Not. Die extreme Phase der Hyperinflation begann im August 1922 und endete mit der Einführung Neuen Reichsmark zum 15.11.1923.

Sammelgebiet „Inflation“

Die Ausgabepolitik und die Gebühren der Deutschen Reichspost waren bis Ende Juli 1916 über Jahre hinweg stabil geblieben. Dann aber erfolgte aufgrund des Reichsabgabengesetzes auch eine Erhöhung der Postgebühren. Diese Abgabe konnte mittels der neu erschienen Germania-Marken, aber auch mit allen anderen gültigen Marken, entrichtet werden. Die neuen Germania-Marken wurden ab dem 28.7.1916 verkauft und waren frankaturgültig, so dass der Ersttag dieser Marken (MiNr. 98-100) auch als Beginn des Sammelgebietes „Inflation“ anzusehen ist. Zeitlich endet es vor Einführung der neuen Währung am 1.12.1923 und damit mit der im November ausgegebenen Aufdruckserie (Mi.Nr. 332-337).

Insgesamt umfasst das Sammelgebiet damit 240 Hauptnummern des Michelkatalogs bei den Frei- und Sondermarken sowie 83 bei den Dienstmarken. Hans-Jürgen Wischnewski hat die Entwicklung plastisch beschrieben: 1922 schnellten die Portowerte in den Einhundertmarksbereich, im September 1923 überschritten sie die Tausenderschwelle. Briefmarken erschienen konsequent nur noch als Ziffernwerte. Was wertmäßig nicht mehr ausreichte, wurde durch Überdrucke gelöst. Ungebrauchte Briefmarken hatten nur noch einen geringen Wert, weil viele der Wertangaben bereits veraltet waren, wenn sie die Postschalter erreichten. Im Oktober 1923 wurden Millionenwerte für Porto fällig. Längst hatte man sich abgewöhnt, die Nullen in Ziffern anzugeben; die Angaben erschienen in den Worten „Millionen“ und „Milliarden“. Traurige Berühmtheit erlangte die Michel-Marke Nr. 330: sie ist mit 50 Milliarden Reichsmark wohl weltweit der höchste jemals herausgegebene Nominalwert.

Bekanntermaßen führen Not-, Kriegs- und Umbruchzeiten zu hochinteressanten Ausgaben, die Sammlern und Experten viel abverlangen. Genau das trifft für das Teilgebiet „Infla“ zu. Qualitätsmerkmale wie Zähnung, Durchstich, Zentrierung; Abstempelung, Farben, Markenpapier, Wasserzeichen, Gummierung und Bogenränder führen gerade bei diesem Sammelgebiet zu einer Vielzahl von Varianten. Hinzu kommen Abarten und Besonderheiten. Sammelwürdig sind ferner Paare und größere Einheiten mit und ohne Zwischensteg und bei den Ganzsachen besondere Einzel-, Mehrfach-, Misch-, Bunt- oder Satz-Frankaturen. Besonders für dieses Sammelgebiet gilt, dass bei seltenen und teuren Marken oder Ganzsachen der Nachweis einer Begutachtung durch einen ausgewiesenen Prüfer unabdingbar ist.

In der Infla-Zeit wurden ferner 6 Markenheftchen verausgabt (MH 10-15). Ab März 1921 kamen 9 Heftchenbogen mit 36 Blatt dazu (MHB 1-9, H-Blatt 1-36). Daraus ergaben sich diverse Zusammendrucke.

Zu gesuchten Raritäten dieses Sammelgebietes gehören Ganzsachen mit Oberrandstück (z.B. bei MiNr. 99, 104, 154, 224), die 40 Pf. Flugpostmarke von 1919 im schwarzgrünen Farbton gestempelt (MiNr. 112a), Einfach- und Mehrfach-Frankaturen der Michel-Marke Nr. 118, gestempelte waagerechte Zwischenstegpaare der Freimarkenserie von 1920, Probedrucke der MiNr. 138, Wasserzeichenabarten der MiNr. 152 Y, seltene Plattenfehler (z.B. MiNr. 240 I), gestempelte Marken mit seltenem Wasserzeichen (MiNr. 278Y) oder seltenem Farbton (MiNr. 154IIb, 309Bb; 315Ab, 325APb, 331a, 332AWb) sowie einige der sog. Lokaldrucke von 1923. Außerdem ist das Markenheft 10 von November 1918 selten und teuer.

Das Deutsche Kaiserreich (Mai 1871 – November 1918)

Der Norddeutsche Bund hatte den Weg für einen weitergehenden Zusammenschluss der Altdeutschen Staaten aufgezeigt. Die Verhandlungen dazu – unter Ausschluss von Österreich – endeten mit der Verabschiedung einer neuen Verfassung, die sich nur unwesentlich von der des Norddeutschen Bundes unterschied und am 4.5.1871 in Kraft trat. Bereits im Januar desselben Jahres war der Preußische König Wilhelm I im Schloss von Versailles zum Deutschen Kaiser gekrönt worden. Kein Jahr später, nämlich genau zum 1.1.1872, vollzog sich die Einigung.

Es folgten etwa vier Dekaden Friedenszeit, in denen Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur aufblühten. Innenpolitisch galt es, die Einheit im neuen Nationalstaat zu festigen. Schon bald herrschten stabile Verhältnisse, breite Schichten standen in Arbeit und Lohn, eine moderne Sozialpolitik sicherte sie ab, und den Menschen im Reichsgebiet ging es zunehmend gut. Außenpolitisch gelang es dem Kaiser und seinen Regierungen weitgehend, den Rückstand Deutschlands auf die Großmächte, insbesondere Frankreich und Großbritannien, aufzuholen. Im Hinblick auf Besitzungen im Ausland war das kaum möglich, aber immerhin erwarb das Deutsche Reich in dieser Zeit einige Kolonien („Schutzgebiete“) in Afrika und in Ostasien.

Solche und andere kostspielige Vorhaben der kaiserlichen Regierung, vor allem aber der menschenverachtende und ressourcenverzehrende Erste Weltkrieg, änderten innerhalb weniger Jahre diese Situation grundlegend. Die Umstellung der Produktion auf Rüstung und Kriegsbedarf ließ Mängel bei der alltäglichen Versorgung der Bevölkerung und damit deren Unzufriedenheit stetig ansteigen. Der Hungerwinter 1917/18 und die erfolglose Kriegsführung hatten das Ansehen von Kaiser Wilhelm II rapide sinken lassen. Doch obwohl sich der Matrosenaufstand in Kiel zur „Novemberrevolution“ im ganzen Reichsgebiet entwickelte, kam für den Kaiser ein Abdanken noch nicht infrage. Dafür sorgte dann überraschend sein Reichskanzler, Prinz Max von Baden, der eigenmächtig am 9.11.1918 in Berlin den Rücktritt des Kaisers verkündete sein Amt auf Friederich Ebert übertrug, während Wilhelm II sich außerhalb Berlins aufhielt. Knapp drei Wochen später – am 28.11.1918 – dankte der Kaiser selbst offiziell ab, nachdem er sich zuvor in die Niederlande abgesetzt und dort um Asyl gebeten hatte. Im November 1918 endete damit die Epoche des Deutschen Kaiserreiches.

Sammelgebiet Kaiserreich

Die staatsrechtlichen Grundlagen für das Post- und Fernmeldewesen im Deutschen Reich waren in der Reichsverfassung vom 16.4.1871 festgelegt. Mit dem Postwesen befasste sich der Art. 88 der Verfassung. Dort findet sich auch die rechtliche Basis für die bayerische und württembergische Sonderstellung im Postwesen, die am 31.3.1920 endete. Nahtlos gingen die bestehenden Einrichtungen ab Mai 1871 in das neue Reichspostministerium über. Damit umfasste das Reichspostgebiet das Gebiet des ehemaligen Norddeutschen Bundes, Elsass-Lothringen und Baden.

Das Deutsche Reich existierte bereits vor der Ausgabe eigener Marken am 1.1.1872, so dass bis dahin die Marken der Norddeutschen Post weiter verwendet wurden. Marken und Ganzsachen mit Abstempelungen aus diesem Zeitraum sind als sog. „Vorläufer“ der Reichspostphilatelie zu betrachten.

Der Michelkatalog umfasst für das Sammelgebiet 97 Hauptnummern bei den Frei- und Sondermarken sowie 14 bei den Dienstmarken. Tatsächlich lässt sich eine Vielzahl von Unterarten unterscheiden, bedingt durch Unterschiede bei Druckarten, Bildplatten, Überdruckplatten, Zähnung, Bogentrennung, Papier und Wasserzeichen, Gummierung und Farben. Für Sammlerinnen und Sammler ist die Unterscheidung gleichzeitig eine Herausforderung und Grund für Resignation. Für seltene Unterarten ist das Gutachten eines ausgewiesenen Prüfers unabdingbar.

Motiv der ersten Marken war ein „Adler mit Krone und Brustschild“, später als „Brustschild-Ausgaben“ bezeichnet (MiNr. 1-30). Ganz einheitlich waren sie jedoch nicht im gesamten Reichsgebiet, denn noch gab es verschiedene Währungen (Taler und Gulden), und so erschienen die Marken im Norden und in Elsass-Lothringen in Groschen und im Süden in Kreuzern. Zum 1.1.1875 wurde die einheitliche Währung Mark und Pfennig eingeführt, und mit diesen Währungseinheiten erschienen dann auch alle Briefmarken. Zum 1.7.1875 trat das Deutsche Reich dem Weltpostverein bei. Hierdurch wurde eine wesentliche Vereinfachung der Postgebühren im grenzüberschreitenden Postverkehr erreicht.

Dem Brustschildmotiv folgten Anfang 1875 das Motiv „Ziffer bzw. Reichsadler im Oval unter Krone mit Bändern“, die sog. „Pfennig“-Ausgabe“ (MiNr. 31-44), und im Oktober 1989 das Motiv „Wertziffer und Krone im Perlenoval; Reichsadler im Kreis“, die sog. „Krone/Adler“-Ausgabe (MiNr. 45-52). Einen Meilenstein setzte dann die Einführung der „Germania“-Marken zum 1.1.1900, denn diese Serie wurde zum Symbol für die Philatelie im Deutschen Kaiserreich (MiNr. 53-106). Sie überlebte dieses sogar, denn die letzten Germania-Marken verloren ihre Gültigkeit erst 1922.

Die Zeit des Kaiserreiches bietet philatelistisch zahlreiche Themen für Spezialsammlungen. Prominent ist das Teilgebiet „Brustschilde“ mit vielen Varianten an Farbabweichungen, Druckplattenfehlern, Zähnungslöchern, ungezähnte und verzähnte Stücke, Zahl der Zähnungslöcher und Schraubenkopfabdrücke. Bei den Frankaturen erfreuen sich Mischfrankaturen besonderer Beliebtheit, vor allem Kleiner und Großer Brustschild, Groschen- und Kreuzerwährung, Brustschild- und Pfennigmarken.

Ein anderes Teilgebiet sind die „Nachverwendeten Altdeutschland-Stempel“. Dabei geht es um die die zahlreichen Altdeutschland–Poststempel, die nach Gründung des Norddeutschen Postbezirks noch weit in die Zeit Deutschen Reichspost hinein zur Markenentwertung „nachverwendet“ wurden. So können aus 13 verschiedenen altdeutschen Posthoheiten nachverwendete Poststempel auf Brustschildmarken gefunden werden. Besonderes Interesse finden dabei die verschiedenen „Ablöse- und Übergangsstempel“, die auch auf Brustschilden zu finden sind. Bedauerlicherweise sind auch schon bei den Brustbildmarken kriminelle Prägungsfälschungen und andere Markenfälschungen bekannt wie etwa die „Elbinger-Postfälschungen“.

Ferner wurden während der Kaiserreichzeit 9 Markenheftchen verausgabt (MH 1-9). Hinzu kamen die Versuchsheftchen mit der MiNr. 56, die Vorlageheftchen der „Reichspostreklame“ sowie diverse Zusammendrucke.

Raritäten des Sammelgebietes sind einige postfrische Brustschild- und Pfennig-Ausgaben, die 18 Kr.-Marke auf Brief, Erstdrucke der 25-, 30-, und 40-Pf-Germania-Marken, die ungebrauchte 5 M-Marke von 1902 in den Farben gelblichrot und karmin sowie das sog. „Vineta-Provisorium“. Die ersten Markenheftchen wurden in der Zeit des Kaiserreiches herausgegeben; einige davon sind gesuchte Raritäten.

Erwähnt sei schließlich noch die enorme Entwicklung des Briefmarkensammelns in der Zeit des deutschen Kaiserreiches. So fand im Oktober 1884 die erste große Ausstellung statt, nämlich die „Internationale Postwertzeichen-Ausstellung“ in München. Verbunden mit der starken Resonanz beim Publikum war der Aufschwung des Briefmarkenhandels und regelmäßiger Versteigerungen. Die erste Briefmarkenauktion in Deutschland fand 1913 in Berlin bei der Firma Heinrich Köhler statt.

Das Deutsche Reich

Historisch existierte das Deutsche Reich als Nationalstaat im Zeitraum 1871 bis 1945, also gut siebzig Jahre. In der deutschen Geschichte findet sich kaum ein anderer Zeitraum gleicher Länge mit so gewaltigen Höhen und Tiefen wie auch strukturellen Umbrüchen. Grob lässt sich der Zeitraum in drei große Abschnitte unterteilen: das Kaiserreich (1871-1918), die Weimarer Republik (1918-1932) und das Dritte Reich (1933-1945). Jeder dieser Abschnitte verdient eine eingehendere Betrachtung. Dabei werden zunächst die großen historischen Ereignisse verdeutlicht, um den Kontext aufzuzeigen, in den Postgeschichte und Philatelie eingebettet waren.

Sammelgebiet Deutsches Reich

Die sieben Jahrzehnte haben eine einzigartige Vielfalt philatelistischen Materials hervorgebracht, das heute noch Sammlerinnen und Sammler mit Teil- und Spezialgebieten fasziniert und herausfordert. Genauer betrachtet werden nachfolgend in eigenen Abschnitten die vier großen Teilgebiete Kaiserreich, Inflationszeit, Weimarer Republik und Drittes Reich.

Hinzu kommen danach die Deutschen Auslandspostämter und Kolonien, die Deutschen Besetzungsausgaben 1914/1918, die Abstimmungsgebiete, Danzig, Memelgebiet, Böhmen und Mähren, Generalgouvernement, Sudetenland, Deutsche Besetzungsausgaben im II. Weltkrieg, Feldpostmarken sowie die Deutschen Lokalausgaben von 1923.

Beliebte Spezialgebiete des Deutschen Reiches sind ferner „Markenheftchen, Markenheftchenbogen, Zusammendrucke“. Einschließlich der „Elferstreifen“ werden diese im betreffenden o.g. Teilgebiet behandelt. Dies gilt auch für die „Dienstmarken“, die über die gesamte Zeit des Deutschen Reiches ausgegeben worden sind. In den Teilgebieten werden, soweit vorhanden, Telegrafen- und Retourmarken erwähnt. Für Probedrucke, Farbproben und Essays aus der Zeit des Deutschen Reiches sei auf Spezialkataloge verwiesen.

Schließlich haben einige andere Spezialgebiete aus der Zeit des Deutschen Reiches großes Sammlerinteresse. Ein eigener Textabschnitt findet sich für das Gebiet Luft- und Zeppelinpost. Es gibt auch das Spezialgebiet „Deutsche Schiffspost im Ausland“. Dies ist hochinteressant, aber nicht sehr umfangreich; wir verweisen dazu auf Spezialkataloge. Ferner werden im Sammelgebiet „Deutsches Reich“ gesammelt: Einheiten (Paare, Dreierstreifen, Vierer-, Sechser-, Achterblocks, als Marken oder auf Brief), besondere Frankaturen auf Brief, Halbierungen, Abarten, Plattenfehler. Darauf wird, falls angezeigt, im Text für das Teilgebiet eingegangen.

Togo

Togo ist seit 1960 ein unabhängiger Staat in Westafrika mit heute rund 7 Millionen Einwohnern und einer Landesfläche, die etwas kleiner als Bayern ist. Damit umfasst das Staatsgebiet nur den östlichen Teil der von 1884 bis 1916 bestehenden deutschen Kolonie Togo. Das Schutzgebiet erstreckte sich damals auch auf den östlichen Teil des heutigen Ghana. Der schmale Streifen an der sog. „Sklavenküste“ war nur etwa 50 Kilometer lang; dahinter reichte das Gebiet bis zu 560 Kilometern ins Hinterland.

Ähnlich wie in Kamerun waren schon ab 1857 hanseatische Handelsunternehmen an der Küste Togos vertreten. Ihre wirtschaftlichen Aktivitäten weiteten sich aus, so dass es sich lohnte, ab 1882 eine regelmäßige Dampferverbindung zum Deutschen Reich einzurichten. In der Folge kam es am 5.7.1884 zur Unterzeichnung eines „Schutzvertrages“ zwischen dem örtlichen Machthaber und einem Beauftragten des Deutschen Reiches, mit dem ein deutsches „Schutzgebiet Togo“ begründet wurde. Seine Fläche wurde in den Folgejahren zum Teil gewaltsam ausgeweitet. Anfangs unterstand das Schutzgebiet der Verwaltung der Kolonie Kamerun; ab 1891 wurde Togo zu einer eigenständigen Kolonie. Der Gebietszuwachs setzte sich später nach Norden fort. 1897 wurde der Verwaltungssitz der Kolonie von Sebe nach Lomé verlegt, der heutigen Hauptstadt von Togo. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die Kolonie Togo schon bald von alliierten Truppen angegriffen, am 27.8.1914 den Briten offiziell übergeben und dann 1916 zwischen Großbritannien und Frankreich aufgeteilt. De iure endete die Herrschaft des Deutschen Reiches über das Schutzgebiet mit Abschluss des Versailler Vertrag 1919.

Im Laufe der über dreißig Jahre deutscher Kolonialzeit kam es verschiedentlich zu Übergriffen von Verwaltungsbeamten gegen die einheimische Bevölkerung. Unruhen wurden durch die kolonialen Polizeikräfte gewaltsam unterbunden. Insgesamt nahm die Region allerdings hinsichtlich Infrastruktur, Wirtschaft und Verwaltung einen schnellen Aufschwung. Investitionen in das Schul- und Gesundheitswesen und in den Straßen- und Eisenbahnverkehr galten als vorbildlich, ebenso das Post- und Fernmeldewesen. Die Landwirtschaft schuf vor allem mit der Erzeugung und Verarbeitung von Baumwolle Arbeitsplätze, Einkommen und Exporterlöse. In den späteren Jahren nahm ein Raubbau an den Naturressourcen des Gebiets zu.

Sammelgebiet Togo

Das erste deutsche Postamt in Togo wurde am 1.3.1888 in „Klein-Popo“ eröffnet, das zweite folgte 1890 in Lomé. Später erweiterte sich das Netz auf 16 Postanstalten. Als erstes zum Verkauf kamen die „Pfennig“-Ausgaben“ der Reichspost, später Werte der Krone/Adler-Serie. Mit Ausnahme der gesuchten Farbvariante des 3-Pfennig-Wertes von 1887 wies die Ausgabe keine Abweichungen gegenüber der Praxis in anderen Kolonien auf. Insgesamt verzeichnet der Michelkatalog für das Sammelgebiet 13 Hauptnummern als Vor- und 6 als Mitläufer.

Die ersten eigenen Marken erschienen im August 1897. Es waren Krone/Adler-Freimarken mit dem schwarzen Schrägaufdruck „Togo“. Später folgten die Freimarken mit dem Kaiseryachtmotiv sowie der Inschrift Togo und dem Portowert in Pfennig oder Mark. Insgesamt weist der Michelkatalog 23 Hauptnummern für Kolonie-eigene Marken aus, die letzten 4 kamen allerdings nur am Sammlerschalter in Berlin zum Verkauf.

Zum Sammelgebiet gehören danach die Reichspostmarken, die noch während der Besetzung im britischen und im französischen Teilgebiet Verwendung fanden. Für das britische Besatzungsgebiet weist Michel 21 Hauptnummern aus. 19 davon tragen den dreizeiligen Aufdruck „Togo – Anglo-French – Occupation“ ohne veränderten Portotarif, bei 2 Ausgaben ist zusätzlich ein Portobetrag in Penny aufgedruckt.

Alle 19 Ausgaben für das französische Besatzungsgebiet tragen den dreizeiligen Aufdruck „Togo – Occupation – franco-anglaise“, 3 von ihnen zusätzlich einen Portotarif in französischen Centimes.

Einige dieser Besetzungsausgaben sind beim Sammelgebiet Togo selten und hoch dotiert, ganz besonders bei den höheren Werten und mit bestimmtem Zeilenabstand beim Aufdruck. Eine absolute Rarität ist ferner eine komplette Verpackungseinheit der 5-Mark-Ausgabe von 1900 für Togo in 100 Bogen zu je 20 Stück, wie sie sich im Postmuseum findet.

Samoa

Der unabhängige Staat Samoa ist ein Inselgebiet in Polynesien und umfasst heute den Westteil der Samoainseln, während die östlich gelegenen Inseln Außengebiet der USA sind. In der Mitte des 19. Jahrhunderts, als Europäer die Region verstärkt in den Blick nahmen, gehörten die beiden Teile noch zusammen. Unter den Besuchern waren seinerzeit auch Kaufleute eines Hamburger Handelshauses, die um 1860 in Apia auf der Insel Upolu eine Niederlassung errichteten. Ihr Leiter wurde vom Hamburgischen Senat zum Konsul ernannt. Der wirtschaftliche Erfolg, vor allem mit Kokos- und Baumwoll-Plantagen, zog weitere deutsche Kaufleute in die Region. So lohnte es, bereits im September 1886 in Apia eine „Deutsche Postdampfschiffsagentur“ – zusätzlich zum nationalen Postamt – zu eröffnen.

In anderen Teilen Samoas hatten sich britische und amerikanische Siedler und Händler niedergelassen. Zum Schutz der Interessen ihrer Landsleute entsandten alle drei Mächte Marineeinheiten nach Samoa. Der sich verschärfende Konflikt konnte Ende 1899 durch den Abschluss des „Samoa-Vertrags“ friedlich beigelegt werden, indem sich das Deutsche Reich und die USA die Inselgruppe aufteilten und Großbritannien mit anderen pazifischen Inseln entschädigt wurde.

Damit umfasste die Kolonie „Deutsch-Samoa“ die Inseln Upolu, Savai’i, Apolima und Manono. Mit Hissen der Reichsflagge in Apia auf Upolu am 1.3.1900 wurde Samoa zum „Schutzgebiet“ des Deutschen Reichs. Abgesehen vom Pachtgebiet Kiautschou in China war sie das einzige deutssche Kolonialgebiet im asiatisch-pazifischen Raum, das getrennt von „Deutsch-Neuguinea“ verwaltet wurde. Infrastruktur und Wirtschaft entwickelten sich schnell und insgesamt war das Verhältnis zwischen Kolonialverwaltung und einheimischer Bevölkerung gegenseitig vergleichsweise wohlwollend. Das änderte sich auch nicht durch den offenen Widerstand der Unabhängigkeitsbewegung der Mau 1909, der ohne Blutvergießen beendet werden konnte. So war es der Erste Weltkrieg, der die deutsche Kolonialherrschaft in Samoa am 27.8.1914 de facto beendete, als neuseeländische Truppen Apia besetzten. De iure bestand das Schutzgebiet bis zum Abschluss des Versailler Vertrages 1919 fort.

Südwestlich von Samoa liegt im Südpazifik das Königreich Tonga. Auch dorthin unterhielt das Deutsche Reich Beziehungen, die 1876 mit einem Freundschaftsvertrag besiegelt wurden. Im September 1886 eröffnete in Tongatabu eine deutsche Postdampfer-Agentur ausschließlich für Paketverkehr. Sie wurde jedoch im April 1893 wieder geschlossen. 1899 verzichtete das Deutsche Reich im Samoa-Vertrag auf Besitzansprüche an Tonga zugunsten Großbritanniens.

Sammelgebiet Samoa

Bei Öffnung der Postagentur in Apia kamen zunächst die Reichpostmarken der „Pfennig“-Serie zum Verkauf. Zusammen mit späteren Ausgaben bilden insgesamt 12 Ausgaben die Vorläufer und 6 Marken die Mitläufer des Sammelgebietes. Die ersten eigenen Kolonialmarken erschienen am 17.5.1900; sie trugen den schwarzen Schrägaufdruck „Samoa“. Noch im selben Jahr kam auch die Serie mit Kaiseryacht-Motiven und der Inschrift „Samoa“ und den Portostufen in Pfennigen und Mark heraus. Insgesamt verzeichnet der Michelkatalog 36 Hauptnummern, von denen 4 Ausgaben nur in Berlin am Sammlerschalter erhältlich waren; ferner stammen 13 aus der Zeit der neuseeländischen Besetzung und sind Reichspostmarken, die den schwarzen Aufdruck „G.R.I.“ (Gregorius Rex Imperator) und den britischen Portowert in Pence (d) und Shilling (s) tragen.

Zu den gesuchten Ausgaben des Sammelgebietes gehören die Shillingmarken und die frühen Vorläufer.

Marshall-Inseln

Die Marshallinseln sind heute ein eigenständiger Staat in Mikronesien. Mit etwa 60.000 Einwohnern auf einer Fläche von nur 181 Quadratkilometern gehört die Republik zu den kleinsten Staaten der Erde. Seine Hauptstadt heißt Majuro.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts nahmen deutsche Kaufleute zur Anlage von Kokosplantagen die Insel Jaluit in Besitz und hissten dort im Oktober 1885 die Reichsflagge. Im Folgejahr wurden die Besitzansprüche des Deutschen Reiches an den Marshallinseln durch einen Kaiserlichen Kommissar bestätigt und das Gebiet formell in die Kolonie Deutsch-Neuguinea integriert. Ende März 1889 öffnete eine Postagentur in Jaluit; der dort verwendete Stempel trägt die Inschrift „JALUIT MARSHALL-INSELN“. Die Bevölkerungszahl wurde für 1910 auf etwa 10.000 Menschen geschätzt. Die knapp zwanzigjährige Geschichte der Marshallinseln als deutsche Kolonie endete im Ersten Weltkrieg mit der Besetzung von Jaluit durch japanische Truppen am 29.9.1914.

Südwestlich der Marshallinseln liegt der winzige Inselstaat Nauru, der geographisch zu Mikronesien gehört. Ab 1888 war Nauru Kolonialgebiet des Deutschen Reiches und verwaltungsmäßig dem Schutzgebiet „Deutsch-Neuguinea“ zugeordnet. Durch seine Phosphatreserven war die kleine Insel von erhöhter wirtschaftlicher Bedeutung für das Deutsche Reich. Nauru wurde am 6.11.1914 durch australische Truppen für Großbritannien besetzt und ging damit „Deutsch-Neuguinea“ verloren.

Sammelgebiet Marshall-Inseln

Die ersten Marken des Sammelgebietes sind Freimarken der „Pfennig“-Serie der Reichspost aus dem Jahr 1889/91 als Vorläufer. Der Michelkatalog weist insgesamt 13 Ausgaben als Vorläufer und 6 Ausgaben als Mitläufer aus. Die ersten eigenen Marken waren Freimarken der Krone/Adler-Serie mit dem einzeiligen, falsch geschriebenen Schrägaufdruck „Marschall-Inseln“ von April 1897 (die sog. „Jaluit-Ausgabe“). Bis Mai 1900 wurde die falsche Schreibweise auch im Stempel verwendet, danach aber korrigiert. Der schwarze Schrägaufdruck des Landesnamens wurde erst im November 1899 korrigiert (die sog. „Berliner Ausgabe“). Insgesamt weist der Michelkatalog 27 Hauptnummern für die Kolonialzeit aus.

Der Michelkatalog führt sodann weitere 15 Hauptnummern für die Zeit der Britischen Besetzung von Nauru ab dem 6.11.1914 auf, als unter den australischen Besatzungstruppen vorhandene Reichspostmarken mit dem Aufdruck „G.R.I.“ (Gregorius Rex Imperator) sowie britischen Portotarifen in Shilling (s) und Pence (d) weiterverwendet wurden.

Viele der Marken des Sammelgebietes sind vergleichsweise selten und im Preis hoch bewertet. Besondere Raritäten finden sich unter den Ausgaben mit dem falsch geschriebenen Aufdruck „Marschall-Inseln“ sowie bei den hohen Werten der Nauru-Besetzungsausgaben.

Marianen

Die Marianen sind eine Inselgruppe im Westpazifik, die geographisch zu Mikronesien und politisch heute zu den USA gehören (vgl. Karolinen). Fast bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gehörten sie zum Königreich Spanien, bis dieses in Asien von den USA militärisch besiegt wurde und viele seiner Besitzungen verlor. Dies war der Fall für die Insel Guam, dem politischen und wirtschaftlichen Zentrum der Marianen, die im Juni 1898 an die USA fiel. Mit dem Deutsch-Spanischen Vertrag erwarb das Deutsche Reich zum 18.6.1899 per Kauf die Karolinen, die nördlichen Marianen und Palau. Verwaltungsmäßig wurden sie in die Kolonie Deutsch-Neuguinea integriert und de facto am 18.11.1899 im Hauptort Saipan in Besitz genommen. Am selben Tag öffnete dort ein Deutsches Postamt. Der Schiffsverkehr mit Europa war regelmäßig; Saipan wurde viermal jährlich angelaufen.15 Jahre später endete die deutsche Kolonialzeit mit der Besetzung Saipans durch japanische Truppen am 14.10.1914.

Sammelgebiet Marianen

Der Michelkatalog weist 21 Hauptnummern für das Sammelgebiet aus, beginnend mit der Krone/Adler-Serie mit schwarzem Schrägaufdruck „Marianen“, die gleich bei Eröffnung des Postamtes verfügbar waren. Die letzten beiden Freimarken von 1916/19 wurden am Sammlerschalter in Berlin verkauft; ein echter Gebrauch in der Kolonie war gar nicht möglich. Viele der gebrauchten Marken sind selten und daher relativ teuer, wobei die zeitgerechte Entwertung in aller Regel durch einen ausgewiesenen Prüfer bestätigt sein muss. Rarität ist ferner bei einigen Marken ein kopfstehender Aufdruck.

Kiautschou

Hauptstadt der ostchinesischen Provinz Shandong ist Qingdao, heute eine Hafenmetropole von etwa 10 Millionen Einwohnern mit Wolkenkratzern, Parks und Stränden am Gelben Meer. Sie liegt knapp 700 Kilometer südöstlich von Peking. Tsingtau nannte man die Stadt seinerzeit, als das Deutsche Reich 1898 das „Gouvernement Kiautschou“ in einem Pachtvertrag auf 99 Jahre vom Kaiserreich China erhielt, dieses Gebiet gut fünfzehn Jahre lang verwaltete und Tsingtau gründete. Im Ersten Weltkrieg kam es zu heftigen Kämpfen um Kiautschou. Die Truppen des Deutschen Reiches kapitulierten Anfang November 1914, und das Pachtgebiet kam unter die Herrschaft des Japanischen Kaiserreichs, wurde jedoch 1922 aufgrund des Versailler Vertrages an China zurückgegeben.

1861 hatte Preußen bereits einen Handelsvertrag mit China abgeschlossen. Grund für die Erzwingung eines Pachtvertrages für Kiautschou fast 40 Jahre später war neben starken wirtschaftlichen Interessen der Wunsch der kaiserlichen Marine nach einem Flottenstützpunkt in Ostasien. Das Pachtgebiet umfasste die Bucht von Kiautschou mit vorgelagerten Inseln, eine Fläche etwa von der Größe des Bodensees. Die Stadt Kiautschou selbst gehörte nicht dazu; sie lag in einer die deutsche Kolonie umgebenden neutralen Zone. Mit Tsingtau wurde eine moderne Stadt mit Werft, einem Bahnhof, Fabriken und einer Universität errichtet.

Ein deutsches Postamt gab es in der Region bereits seit dem 26.Januar 1898. Mit Fertigstellung der Eisenbahnlinie Tsingtau – Tsinan 1904 war Kiautschou über die Transsibirische Eisenbahn in einer Reisezeit von knapp zwei Wochen von Deutschland aus zu erreichen. Zum Ende der Kolonialzeit wies Tsingtau eine Einwohnerzahl von über 55.000 Menschen auf; insgesamt lebten in dem Pachtgebiet etwa 200.000 Bewohner. Noch heute ist die Altstadt Qingdaos von Architektur im deutschen Stil geprägt, und das seinerzeit eingeführte Bierbrauen spielt eine wichtige wirtschaftliche Rolle.

Sammelgebiet Kiautschou

Spezialisten sehen den Beginn des Sammelgebietes bei Vorläufern mit Entwertungen mit der Inschrift „KAIS. DEUTSCHE MARINE-SCHIFFSPOST“, die für die Besetzung von Kiautschou vom 14.11.1897 bis zur Errichtung der Postagentur am 26.1.1898 verwendet wurden. Vorläufer sind danach auch Stempel mit der Inschrift „TSINTANFORT MARINE-FELDPOST“ bzw. ab Mai 1898 nur noch „TSINTANFORT“. Im Michelkatalog beginnen die Vorläufer mit der Krone/Adler-Serie der Reichspost und Stempeln „KIAUTSCHOU“, „TSINGTAU“, „TSINTAU“ oder einer Kombination daraus. Anfang 1898 waren in Kiautschou auch schon Freimarken der Deutschen Post in China in Gebrauch. Deshalb weist der Michelkatalog insgesamt 14 Marken als Vorläufer aus. Weitere 12 Hauptnummern der „Pfennig“-Marken sind als Mitläufer katalogisiert.

Eigene Marken für Kiautschou, die sog. Tsingtau-Ausgabe, entstanden ab Mai 1900, als Marken der Deutschen Post in China aus der Missionsdruckerei Tsingtau, die einen schwarzen Aufdruck mit einem geänderten 5-Pfennig-Wert erhielten. Hinzu kamen im Januar 1901 die Reichspostausgaben mit dem Kaiseryachtmotiv und der Inschrift Kiautschou sowie dem Pfennig- bzw. Markportobetrag. Bei der Ausgabe der Hohenzollernyacht im Oktober 1905 änderte sich insbesondere die Währungsangabe, die nun auf Cent und Dollar lautete. Schließlich kamen auch noch die geänderten Reichspostmarken im Friedens- und im Kriegsdruck in Gebrauch. Insgesamt sind somit 37 Hauptnummern eigener Marken der Pachtregion bei Michel katalogisiert. Die Gültigkeit aller Marken endete am 7.11.1914.

Viele Marken des Sammelgebietes Kiautschou sind relativ selten. Begehrte Raritäten dabei sind die sog. „2. Tsingtau-Ausgabe“ mit einem zusätzlichen Handstempelaufdruck und die 2 ½ -Dollar-Marke der Kaiseryacht von 1905.

Karolinen

Die Karolinen sind ein im Inselgebiet von Mikronesien gelegener Archipel nördlich von Neuguinea. Im 19.Jahrhundert umfasste Mikronesien außer den Karolinen im Zentrum noch im Norden die Marianen und im Osten die Marshallinseln. Im Archipel der Karolinen waren nur die vier Inseln Yap im Westen, Chuuk sowie Ponape und Kusaie (Kosrae) im Osten von Bedeutung. Die Ausdehnung des Gebietes mit etwa 3.000 Kilometern war gewaltig.

Die Karolinen gehörten zu den Schutzgebieten, die das Deutsche Reich in der Südsee kurz vor Beginn des 20. Jahrhunderts formell in Besitz genommen hatte. Im Fall der Karolinen gelang der Erwerb aufgrund eines Kaufs von Spanien mit Wirkung zum 12.10.1899. Schon im August 1885 hatte das deutsche Kanonenboot Iltis die deutsche Reichsflagge auf Yap, der damaligen Hauptinsel der Karolinen, gehisst. Doch danach kam es zu einem jahrelangen Konflikt über die Region mit Spanien, der schließlich friedlich durch den Kauf geregelt wurde. Am selben Tag der Übernahme öffnete das erste deutsche Postamt in Ponape, wenig später eines in Yap. Die rund fünfzehnjährige Zeit als deutsche Kolonie endete mit der Besetzung der Inseln durch die Japaner im September 1914 nach deren Eintritt in den Ersten Weltkrieg.

Etwas westlich von Yap liegt der eigenständige Inselstaat Palau, der nach wie vor eng mit den USA verbunden ist. Dort gab es zeitweise eine Agentur der deutschen Reichspost.

Sammelgebiet Karolinen

Das Sammelgebiet umfasst laut Michelkatalog 21 Hauptnummern, beginnend am 12.10.1899 mit den Krone/Adler-Marken der Reichspost mit einem schwarzen Schrägaufdruck des Landesnamens „Karolinen“

Zu den gesuchten Raritäten gehören einige Provisorien, unter anderem die 3 – Pfennig-Marke mit der Hohenzollernyacht und einem Handstempelaufdruck des neuen Wertes 5 Pfennig (die sog. Zweite PONAPE-Ausgabe) sowie die senkrechte Halbierung der 20 Pfennig – Wertstufe der Yacht-Serie von 1900.