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Bundesrepublik Deutschland (Bund)

Nach der Währungsreform 1948 zur Deutschen Mark und dem Inkrafttreten des Grundgesetzes am 23.5.1949 nahm der westliche Teil Deutschlands schon bald eine unerwartet positive Entwicklung. Langsam aber sicher entwickelten sich im politischen Bereich neue demokratische Strukturen und ordnungspolitisch setzte sich die „soziale Marktwirtschaft“ durch. Anders als nach dem Ersten Weltkrieg wurde die wirtschaftliche Basis nicht durch exorbitante Reparationsleistungen geschwächt, sondern durch Hilfspakete wie die Marshallplanhilfe sogar gestärkt. Ferner gelang es überraschend schnell, die großen Mengen an Flüchtlingsfamilien und Kriegsinvaliden gesellschaftlich und wirtschaftlich zu integrieren.

Die massiv zerstörte Infrastruktur des Landes wurde vergleichsweise zügig instandgesetzt und an vielen Stellen dabei modernisiert. Das galt auch für den wirtschaftlichen Kapitalstock, ganz besonders im Bereich Maschinenbau, Chemie und Schwerindustrie. Im Inneren nahm die Bundesrepublik einen enormen Aufschwung, und außenpolitisch war sie durch dem Beitritt zu Europäischer Wirtschaftsgemeinschaft, Europäischer Union, NATO und Vereinten Nationen bald wieder ein anerkanntes Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft. Allerdings lag sie unmittelbar am „Eisernen Vorhang“, der Grenze zum Ostblock, und der „Kalte Krieg“ drohte mehrfach in eine neue bewaffnete Auseinandersetzung umzuschlagen.

Mit der „Neuen Ostpolitik“ unter der Regierung von Willy Brandt entstanden Anfang der 1970er Jahre dann aber auch neue konstruktive Beziehungen zu den osteuropäischen und anderen sozialistischen Ländern. Letztlich war es aber die „Perestroika“-Öffnungspolitik des sowjetischen Präsidenten Gorbatschow, der die große Umwälzung in der Sowjetunion und ihren Bündnispartnern Ende der 1980-er Jahre brachte und auch zur Wiedervereinigung Deutschlands führte. Das Zusammenwachsen Ost- und Westdeutschlands erwies sich für beide Seiten als herausfordernde Aufgabe, gelang aber nach mehrheitlicher Auffassung in einem Prozess über dreißig Jahre vorbildlich.

Die vielfältigen zeitgeschichtlichen Ereignisse und Epochen wie auch die wirtschaftlichen und kulturellen Erfolge können auf den Briefmarkenausgaben der Bundesrepublik Deutschland eindrucksvoll nachvollzogen werden.

Sammelgebiet Bund

Auch nach dem Inkrafttreten des Grundgesetzes am 23.5.1949 übten die Postverwaltungen der Bizone und die der Länder der französischen Besatzungszone ihren Dienst unter Verwendung der seinerzeit gültigen eigenen Marken weiter aus. Die französischen Ländermarken behielten Gültigkeit bis Ende März, die der Bizone bis Ende August 1950. Die erste eigene Ausgabe der Bundesrepublik erschien zur Eröffnung des ersten Deutschen Bundestages am 7.9.1949. Es konnte also zu interessanten Mischfrankaturen von Besatzungszonen-Ausgaben mit Bund-Marken kommen.

Gerade im Vergleich zu den DDR-Motiven waren die Themen der Bund-Ausgaben in den ersten Jahren wenig politisch und sehr stark historisch, kulturell und wirtschaftlich ausgewählt. Die erste eigene Freimarkenserie, der Posthorn-Satz, erschien ab dem 20.6.1951. Zwischen 1954 und 1971 zeigten die Dauerserien dann zumindest den amtierenden Bundespräsidenten, daneben und später dann „Bedeutende Deutsche“, „Deutsche Bauwerke“, „Unfallverhütung“, „Industrie und Technik“, „Burgen und Schlösser“, „Frauen der deutschen Geschichte“, „Sehenswürdigkeiten“ und schließlich „Blumen“.

Bemerkenswert ist politisch das Jahr 1990 durch die Wiedervereinigung Deutschlands und damit die Integration der DDR-Post in die „Deutsche Bundespost“. Damit endeten die separaten Sammelgebiete DDR und Berlin (West). Seit Mai 1995 lautet die Inschrift auf den Briefmarken „Deutschland“. Mit der Einführung des Euro brachte das Jahr 2001 auch in der Philatelie die Änderung der Angabe des Portotarifs. Für eine Übergangszeit von einem Jahr war der Wert sowohl in Mark/Pfennig wie auch in Euro/Cent aufgedruckt; danach nur noch in der neuen Währung.

Bis zum Jahresende 2020 verausgabte die Deutsche Bundespost insgesamt rund 3.470 Briefmarken, was einer Ausgabe von durchschnittlich 50 Postwertzeichen pro Jahr entspricht und im internationalen Vergleich als „moderate“ Ausgabepolitik eingestuft werden kann. Als eigenständige Ausgabe sind darin selbstklebende, motivgleiche Marken enthalten. Hinzu kamen 87 Blockausgaben, 10 Automatenmarken sowie einige Einschreibe-, Prioritäts- und Rollenservicemarken. Dienstmarken gab es keine. Hinzu kamen aber gut 100 Markenheftchen und rund 140 Zusammendrucke. Ab Oktober 1994 gelangten fast alle Marken auch als „Kleinbogen“ in den Verkauf. 11 Briefmarken [bis Mitte 2017] waren zur Ausgabe vorgesehen, gelangten jedoch nie in den offiziellen Verkauf.

Zu den Raritäten zählen einige Marken in ungezähnter Erhaltung (z.B. die Marienfenster von 1951, der Otto-Motor von 1953 oder Verkehrsunfall-Verhütung 1964). Gesucht ist der Sonderdruck Verkehrsausstellung von 1953, auch wenn dieser nicht frankaturgültig war. Hoch dotiert sind ferner einige Marken mit fehlender Farbe, etwa bei den MiNr. 715, 1004 und 1033 sowie bei Block 16. Ersttagsbriefe haben generell an Wert eingebüßt; allerdings sind einige frühe Ausgaben selten und gesucht, etwa die der 2 und 3 DM-Werte. Seltenheit haben sodann die „Einstein“-Essays zur Freimarkenserie „Bedeutende Deutsche“ von 1961. Hoch dotiert sind schließlich die nicht verausgabten Marken, und dabei ist die „Audrey Hepburn“-Ausgabe von 2001 auf Brief die Spitzenrarität des Sammelgebietes schlechthin.

Spezialsammler suchen darüber hinaus beim Posthornsatz Farbprobedrucke und sonstige Druckproben oder auch „Ankündigungskartons“. Überhaupt sind für Spezialisten Probedrucke mit dem Siegel der Bundesdruckerei begehrte Objekte.

Zuschläge: Bundesrepublik Deutschland (Bund)

6 Pfg. ungezähnt im waagerechten 6er-Block mit Bogenrand rechts, postfrisch mit leichten Gummibügen, tadellos, seltene Einheit
376. Heinrich Köhler-Auktion (2021)

Zuschlag: EUR 900,-


2021, Digitaler Wandel 80 C. mit fehlendem schwarzen Matrixcode am rechten Bildrand, gestempelt "VIERSEN 10.6.21", tadellos, sehr selten, Fotoattest Schlegel BPP (2021)
377. Heinrich Köhler-Auktion (2021)

Zuschlag: EUR 3.400,-


1980, Olympische Sommerspiele in Moskau 60 Pfg., nicht ausgegebene Sondermarke mit Poststempel "BPA MÜNCHEN 6.11.82", sogen. "Gescheidle"-Marke in ursprünglicher Erhaltung, rechts mit wenigen kurzen Zähnen, sonst einwandfrei, einer der ersten Exemplare dieser Seltenheit, Fotoattest Schlegel BPP (1983) (Mi. 45.000,-)
367. Heinrich Köhler-Auktion (2018)

Zuschlag: EUR 11.000,-


2001, Unverausgabte Audrey Hepburn 110 Pfg., sauber mit kleinem Teil eines Tagesstempels entwertet, das Motiv völlig freilassend, tadellos, eine der großen modernen Seltenheiten mit lediglich 5 bekannte Stücken, Fotoattest Schlegel BPP (2009)
367. Heinrich Köhler- Auktion (2018)

Zuschlag: EUR 46.000,-